Ganes, 21.3.2015 Oberhaching

Ganes sind ja ganz schwer einzuordnen. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen Enya, Sadé, Bjork und Andrew Sisters – und all das trifft es wiederum überhaupt nicht. Die haben einen ganz eigenen Stil entwickelt – und wer kann das heute schon noch von sich behaupten.

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Ganes, das sind die Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen und ihre Cousine Maria Moling. Sie stammen allesamt aus La Val in den Südtiroler Dolomiten und singen auf Lardinisch (der Südtiroler Landessprache). Stilprägend für ihre Musik sind die leisen, ins Mikro gehauchten Töne und ein wunderbarer mehrstimmiger Gesang. Alle drei übernehmen mal die Lead Vocal und treten dann wieder in den Hintergrund.

In Oberhaching traten Ganes auch diesmal wieder in der gleichen Konstellation wie vor zwei Jahren auf (wer zurückblättert, findet hier irgendwo meinen Konzertbericht), begleitet lediglich durch einen Keyboarder und ein paar eingespielten Loops vom Laptop. Die drei sind ja Multitaltente, so eine Art lardinische weibliche Version der Well Buam, und spielen entsprechend diverse Instrumente.

Mich hat es riesig gefreut, dass sie wieder in den kleinen Bürgersaal zurückgekehrt sind, obwohl sie doch am 18. Mai schon im großen Prinzregententheater auftreten. Anlass der Tour ist das neue Album Caprize, das im Gegensatz zum vorangegangenen Paores&Neores keine englischen Songs mehr enthält, sondern komplett auf Lardinisch eingespielt wurde. Ein sehr schönes, poetisches Album, ideal für jede Chill Out Lounge.

Zum Auftritt selbst: Es war wieder mal ein sehr schönes Konzert, allerdings getrübt durch 3 Wermutstropfen:

  1. Bereits nach einer Stunde kam die erste Verabschiedung und die Zugaben begannen, insgesamt dauerte die Show gerade einmal so an die 1:20 h
  2. Ihre beiden größten Hits „For Eva“ und „LaLaLa“ – beide auf englisch – haben sie nicht gespielt. Nun kann es ja sein, dass die Stones irgendwann mehr keine Lust auf Satisfaction haben, aber Ganes können sich das m.E. noch nicht erlauben
  3. Das geriatrische Oberhachinger Publikum… Aber das war ja mit Ansagen.

Als Special Guest hatten sie Mari Mana aus Berlin dabei. Tolle Stimme, aber irgendjemand muss der begabten Sängerin mal sagen, dass sie zu hoch singt. In den tieferen Lagen kam Gänsehaut auf, die Hochtöne waren sehr sehr dünn.

Ich bin dann mal offline

(oder: wie die Telekom mich für 2 Tage ins finstere Mittelalter beförderte)

(notiert, um zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Stück für’s lokale Bauerntheater weiterentwickelt zu werden)

1. Akt – die dreiste Lüge des Baggerführers

18. März, 08:15

Während des Frühstücks, geht mir eine geniale Replik auf den Tweet eines Freundes durch den Kopf. Zwischen Espresso und Toast greife ich also zum iPad, um eben die 140 Zeichen auf den Weg zu bringen, aber der verdammte Beitrag will sich nicht senden lassen. Also wird als erstes mal das WLAN im iPad deaktiviert und wieder aktiviert. Ohne Ergebnis. Dann also an den Rechner. Der ist auch offline. Den Router vom Strom geklemmt und neu gestartet. Immer noch nix.

Kurze Verschnaufpause. Kenne ich von der Tauchausbildung: Stop – breathe – think – act! Das könnten Netz- oder Providerprobleme sein.

Andere Menschen würden jetzt auf dem Mobiltelefon checken, ob es Providerprobleme geben könnte, aber nicht ich. Ich lebe in der verdammten Kommunikationsdiaspora. Mehr als eine 5.000er-DSL-Leitung gibt es hier am hintersten Fleckchen vom Arsch der Welt nicht, Glasfaser legt hier keiner her (es gab wohl mal den Versuch, aber die Bauarbeiter sind auf dem Weg hier raus verdurstet) und selbst das Mobilnetz ist nur auf der obersten Sprosse einer Auzsziehleiter an diesem einen (mittlerweile mit einem Kreuz markierten) Fleckchen im Garten zu empfangen.

Rufen wir also ganz old school mal beim Provider an, ob der vielleicht mehr weiß. Zum Telefon gegriffen und … das ist so tot wie die Heimkurve der Turner beim Derby.

Stop – breathe – think – act!

Die ver…e Baustelle 2 Häuser weiter. Die baggern da gerade. Die werden doch wohl nicht…. Ich rüber zu den Bauarbeitern: „Kann es sein, dass ihr das Telefonkabel durchgehauen habt?“ Kindlich unschuldiger Augenaufschlag des kleinen Dicken mit dem Filzhut: „Naa, dös hättma bemerkt“. Verstohlenes Kichern der umstehenden Blaumänner. Ich auf dem direkten Weg zum Nachbarn und an dessen Telefon. Auch tot. Ich wieder zur Baustelle und in die Grube geleuchtet. Das durchtrennte Kabel auf den ersten Blick gesichtet. Den Baggerführer daraufhin mit dem etwas strengeren Oberschulratsblick fixiert: „Ganz sicher?? Ist alles Tot hier in der Straße“. Er knickt sofort ein und gesteht „Mir hom aba scho‘ die Telekom informiert“. Frei nach Josef Hader: „neunzg Prozent von de Bauarbeiter, könnens sagen, zu hundert Prozent san des Trotteln.“

Immerhin haben wir das Problem identifiziert, und wie sagt der Volksmund so schön? „Problem erkannt, Problem gebannt“. Wie sich im weiteren Verlauf zeigen sollte, muss dieser Sinnspruch aus der Zeit vor Gründung der Deutschen Telekom stammen.

2. Akt – die harsche Ablehnung der sächsischen Call Center Angestellten

18. März, 09:30

Die Klappleiter im Garten auf die Stelle mit dem Kreuz gestellt, aufgeentert, in der Edge-Hölle die Störungsnummer der Telekom ermittelt und dann bei der Hotline der Telekom angerufen, um den Schaden an der Hauptleitung zu melden. Anrufen ist eine etwas euphemistische Formulierung für die Telefoncomputer-Eingabetortur, die man erst einmal durch laufen muss:

  1. Abwarten des herzlichen, von einer sympathischen Frauenstimme vorgetragenen Begrüßungssprüchleins
  2. Beantwortung der Frage, ob es sich bei der Rufnummer, von der aus man anruft, um die Nummer handelt, um die es geht (nein tut es nicht, weil ich von der Nummer, um die es geht aus nicht anrufen kann)
  3. Eingabe der Nummer um die es nun tatsächlich geht
  4. Eintippen des relevanten Themenfeldes („tippen sie 1 für Vertrag, 2 für Rechnung, 3 für Informationen zu Geräten, … 95 für Störungsmeldungen“)
  5. Abwarten der Information, dass man auch über das Internet ganz tolle Informationen bekommt und Störungen eingeben kann (mein verdammtes Internet geht aber nicht!!!!)
  6. Beantworten der Frage, ob man mit einem Menschen verbunden werden möchte (JA! Schreit mein Herz. JA! JA!: Ecce, Homo! Ja, bitte!)
  7. Wiederholung der Antwort in gemessenerem Tonfall und ohne Lateinische Begleiterklärungen („ich habe Sie nicht verstanden!“)
  8. Mitteilung, dass nun eine kurze Messung vorgenommen würde, die einige Sekunden in Anspruch nehmen könne
  9. Beantwortung der Frage, ob ich mit einem Mitschnitt des Gesprächs einverstanden bin

und dann – endlich – eine menschliche Stimme (mit sächsischem Akzent. Die ganze entnervende Prozedur von 1-8 dient also nur dem Stressabbau, um für das Gespräch mit Sachsenpaula gewappnet zu sein):

„Diedeitschedelegommwasgannschfürsiedun?“
„Ich möchte ein durchtrenntes Telefonkabel melden“
„Gemsemalbiddeihrenummer“
„089…“
kurze Pause
(in entrüstetem Tonfall und plötzlich glasklarem Hochdeutsch:)
„Sie sind ja gar kein Telekom-Kunde!“
„Nein, aber es geht ja auch nicht um meinen Hausanschluss, sondern da ist ein Kabel durchge…“
„Ich kann das nicht aufnehmen!“
„Die ganze Straße ist..:“
„SIE SIND GEEN GUNDE – DANN KANN ICH DAS NICHT AUFNEHMEN!“

Alle Beteiligten ab. Vorhang.

3. Akt – der Vodafonekunde im Telekompelz

18. März, 09:00

In einem kurzen Krisenrat der Kommnikationsamputierten wurde beschlossen, dass ich im Namen meines Nachbarn noch einmal bei der Telekom anrufen solle. Nach erneutem Aufentern auf die Stehleiter und dem zweiten Durchlauf der nun mittlerweile schon vertrauten viertelstündigen Telefoncomputer-Prozedur wurde ich wieder mit einem Mitarbeiter des Kommunikationskonzerns verbunden. „Diedeitschedelegommwasgannschfürsiedun?“. Im zweiten Anlauf – als treuer und langjähriger Kunde – war die Behandlung wohlwollender und ich durfte sogar meinen Satz beenden, dass das Kabel auf der Straße … ihr wisst schon.

Mir wurde mit stolzer Stimme mitgeteilt, dass man sich der Sache annehmen und einen Techniker schicken würde, der die Lage vor Ort prüfe. Mein verzagtes Nachhaken, dass der Prüfungsbedarf sich aufgrund der vorliegenden Beweislage eigentlich ja erübrige, wurde mit dem Hinweis abgeschmettert, dass das nun einmal die Regelabläufe wären. Da kann ja sonst schließlich jeder kommen und einen Kabelschaden vortäuschen!

Immerhin wurde meine Mobilnummer notiert, damit der Techniker sich da melden kann. Die Dame verabschiedet sich mit den tröstenden Worten: „Wenn das wirklich ein zertrenntes Kabel ist, kann das schon mal 2 Wochen dauern“.

18. März, 09:30

Anruf bei Vodafone, um den Fehler auch dort zu melden. Ähnliche Telefoncomputerprozedur, wie bei der Telekom, allerdings hier in immerhin nur 5 Schritten. Nette Mitarbeiterin mit Berliner Akzent (gut, ich gebe zu, dass sie damit bei mir ollem Berliner sofort gepunktet hat), die die Störung aufnimmt und eine Rufumleitung einrichtet. Auf meine Frage, ob man da temporär mit dem Internet irgendetwas machen könne, der Hinweis, dass ich ja einen Firmenkundenanschluss habe und ich doch noch einmal bei der Firmenkundenbetreuung anrufen solle, weil die da mehr Möglichkeiten hätten.

Regiehinweis: Der Hauptdarsteller holt ein Stromkabel, weil der Akku seines iPhone sich bereits bedenklich leert und macht es sich mit belegten Broten und einer Kanne Tee auf der Leiter bequem.

18. März, 10:00

Anruf bei Vodafone – diesmal die -1234 statt der -1212 – um mit der Firmenkundenbetreuung Optionen zu wälzen. Telefoncomputerterror. Als endlich die Mitarbeiterin an der Leitung ist, hebe ich an:

„Ja hallo, ich habe eben schon mit Ihrer Kollegin aus dem Privatkundenbereich gesprochen und die hat mich an Sie verwiesen, und…“
Die Mitarbeiterin unterbricht mich mit den Worten
„Ich möchte sie nicht unterbrechen“ (soweit dazu) „aber sie sind hier wieder in die Privatkundenbetreuung durchgestellt worden. Ich sehe aber, dass Sie die richtige Nummer gewählt haben und stelle Sie gleich mal durch.“
3 Minuten mit der kleinen Nachtmusik und dann – endlich! – die Firmenkundenbetreuung von Vodafone.

Die Dame da (auch mit Berliner Akzent; das Call Center scheint irgendwo in der Hauptstadt zu sitzen) war nun das erste positive Highlight des Tages. Mit zartrauchiger Stimme (kennt ihr noch Susi aus Herzblatt?) teilt sie mein Leid und prüft noch einmal die Leitung („das scheint wirklich ein Kabelfehler zu sein“). Auf mein Internetproblem angesprochen fragt sie, ob ich mobil auch Vodafonekunde sei, dann könne sie mir einfach die Internetnutzung kostenlos und ungedrosselt freischalten. Bin ich leider nicht. Treppenwitz: Mobil bin ich seit Ewigkeiten Telekomkunde. Sie bedauert das ebenfalls und bietet mir an, dass ich mir einen Datenstick eines beliebigen Anbieters kaufen und die Rechnung einreichen soll. Schließlich bietet sie noch von sich aus an, sich den Vorgang auf Wiedervorlage zu legen, um mir Bescheid zu geben, sobald sich etwas täte. Ich verwerfe den kurzen Gedanken, sie anlässlich meines nächsten Berlinbesuchs zum Essen einzuladen und verabschiede mich schweren Herzens.

18. März, 15:00

Der Zustand absoluter Abschottung von der Außenwelt ist ebenso ungewohnt (selbst in entfernten Urlaubsgebieten gibt es mittlerweile an jeder Ecke Free WiFi), wie ärgerlich. Speziell dann, wenn man im Homeoffice arbeitet und auf das Internet angewiesen ist. Gesteigert wird diese Ärgerlichkeit noch dadurch, dass Kunden, die versuchen, einen telefonisch zu erreichen, mit der Ansage „der gewünschte Gesprächspartner ist momentan nicht erreichbar“ abgespeist werden. Das macht nur so einen, sagen wir mal „semiprofessionellen“ Eindruck.

Deswegen ein erneuter Anruf bei der Telekom (Leiter, Telefoncomputer, Sachsenpaula), um zu erfragen, wo denn nun der Techniker bliebe, der sich bei mir ankündigen wolle (in weiser Voraussicht lag das Mobiltelefon die ganze Zeit empfangsbereit auf der Leiter!).

„Der Techniker war schon da und hat den Knotenpunkt durchgemessen. Da wurde nichts festgestellt“
„Das kann aber nicht sein“
„Das sehe ich aber hier so auf dem Computer. Sie sind auch der einzige Kunde in dem Bezirk, der hier eine Störung gemeldet hat. Wir schicken Ihnen morgen zwischen 08:00 und 12:00 einen Techniker vorbei. Da muss aber jemand da sein, damit der an den Hausanschluss kann“.

Regieanweisung: Äußerste Rat- und Hoffnungslosigkeit des Hauptdarstellers. Selbiger ab, um sich mit dem Nachbarn zu beratschlagen.

4. Akt – der nörgelnde Nachwuchs

18. März, 16:00

Auf dem Rückweg vom Krisengipfel mit dem Nachbarn (Motto: geteilte Ratlosigkeit ist halbe Ratlosigkeit) begegnet mir am heimischen Gartentor die Tochter, die mir – das mobile Endgerät am ausgestreckten Arm in die Luft streckend – mit wutverzerrter Stimme entgegenzischt „WAS. IST. MIT. DEM. INTERNET?“.

Nun muss man erklären, dass ich aus rein pädagogischen Gründen dazu übergegangen bin, ab und an  den Zugang des Nachwuchses zum WWW zu drosseln, was einen generellen Ausgansverdacht durchaus rechtfertigen mag – in diesem Fall konnte ich jedoch komplett und in vollem Umfang auf „Nicht schuldig“ plädieren und dies auch noch mit aktuellem Bildmaterial belegen.

„Und wie lange bleibt das jetzt so? Kein Telefon und kein Internet?“
„Sachsenpaula meinte, dass könne bis zu 2 Wochen dauern“

Der Ausdruck der Verzweiflung im sonst so anmutigen Antlitz des Teenagers ist nicht in Worte zu fassen.

Zurück im Garten erblicke ich Junior, der auf meiner Leiter stehend versucht, Kontakt mit der Umwelt aufzunehmen. Mag es denn für mich als selbstständig Arbeitenden ein Problem sein, wenn mich meine Kunden nicht erreichen und ich zur Arbeitslosigkeit verdammt bin – für meine Digital Natives ist es die schiere Katastrophe. Das blanke Entsetzen. Schlimmer als jeder Horrorfilm.

Den restlichen Tag verbrachten die beiden Nachwüchse damit, im Schneidersitz zusammengekauert autistisch den Kopf hin und her zu wiegen und laut zu schluchzen.

5. Akt – Gemeinsam sind wir stark

18. März, 19:00

Der Kommunikationshochsitz auf der Gartenleiter ist mittlerweile sehr begehrt. Ich gebe ihn nur ungern auf und vertreibe mir die Zeit zwischen den Telefonaten mit dem Freistaat Sachen (mir sind die „Home of the Telekom“-Schilder an den Landesgrenzen wohl nur noch nie aufgefallen) auf Twitter:

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Die freundlichen Jungs von @Telekom_hilft verwiesen mich erst einmal auf ein Schadensaufnahmeformular. Nun gut – der Schaden war zwar bereits so um die zehn mal aufgenommen, aber man lässt ja nichts unversucht.

Gerade, als der Ruf der Natur (die Kanne Tee!) mich dann doch einmal zwang, meine Leiter zu verlassen, rief der Telekom Twitterservice tatsächlich zeitnah an. Und nachdem er mich nicht erreichte, doch tatsächlich gleich noch einmal. Zum ersten mal hatte ich den Eindruck, dass mein Problem als (vermeintlicher) Telekomkunde bei der Telekom eventuell doch jemanden interessieren könnte.

Der Telekommitarbeiter sprach gewähltes Hochdeutsch (Twitter ist vielleicht in Sachsen noch nicht so ganz angekommen), zeigte Verständnis für mein Problem und versicherte mir, jetzt auf meiner Schadensmeldung zu vermerken, dass es sich um ein Kabelproblem handle. Problematisch sei, dass ich nach wie vor der einzige Kunde sei, der den Schaden gemeldet habe (zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Schaden bereits in meinem Namen bei Vodafone und im Namen meines Nachbarn bei der Telekom gemeldet. Darüberhinaus erfuhr ich später von der anderen Nachbarin – inkl. Ticketnummer –  dass diese den Schaden bereits Vormittags gemeldet hat. Last not least hatten die Bauarbeiter den Schaden ebenfalls gemeldet).

Mein geplanter Champions League Abend begann nun also damit, dass ich als Ein-Mann-Dreikönigssinger von Nachbarhaus zu Nachbarhaus zog, die Rufnummer der Telekom-Störungsstelle hinterließ und dringend um Anruf bat.

Alles nicht so schön!

6. Akt – Das Exil

19. März, 08:00

Habt ihr schon einmal einen Tag auf einer Ausziehleiter verbracht? Ich wünsche es euch nicht! Du wachst mit schmerzenden Gliedern auf und hast am ganzen Körper blaue Flecken. Noch einen Vormittag da oben den Gezeiten ausgesetzt zu verbringen war keine Option. Kurz entschlossen wurden Laptop und Unterlagen eingepackt und in die Sportkneipe der nahegelegenen Tennisanlage verfrachtet, wo ich beim Besitzer vorsprach und um WLAN-Asyl bat, das mir auch sofort gewährt wurde (da sage noch mal einer, in Bayern hätten Asylsuchende keine Chance!). In ausgesprochen kuscheligem Ambiente konnte ich dann also bis Mittags arbeiten. Schön ruhig war’s

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Um 10:30 klingelte das Handy, das Display zeigte die mittlerweile sehr gut vertraute 0800-Nummer der Telekom Störungsstelle. Der Techniker, der sich vor seinem Besuch ankündigen wollte, meldete sich mit der Mitteilung, dass er jetzt vor Ort gewesen sei. Er habe das Problem jetzt eindeutig identifiziert – in der Straße sei bei Bauarbeiten das Kabel zerrissen worden…

7. und letzter Akt – Bin ich schon drin?

19. März, 12:00

Gegen Mittag wurde es dann im Limones voll – die umliegenden Bürohengste kamen zum Essen. Zu voll zum Arbeiten auf jeden Fall. Also schnell noch die Gelegenheit genutzt, und mal wieder bei 0800-Telekom angerufen, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Die 15 Minuten Telefoncomputer-Ansagen konnte ich bereits rosenkranzartig mitbeten. Freundlich wurde mir mitgeteilt, dass es sich um einen Kabelbruch handele (aha!), man aber darüber hinaus nichts sagen könne, weil das nicht in der Zuständigkeit der Technikerdisposition läge, sondern in der Zuständigkeit der Bauabteilung. Und es sei ja schließlich Freitag Mittag…

Als gebrochener Mann trank ich einen letzten Espresso und verließ den Sportpark, um mir ein nettes stabiles Bäumchen zu suchen, an dem ich mich aufhängen könnte.

Auf dem Heimweg stand 3 Häuser vor dem meinen an der Baustelle … ein Kastenwagen der Telekom. In der Baugrube ein Techniker, der offenkundig auch arbeitete. Mit quietschenden Reifen bremse ich mein Auto, springe aus dem Wagen und umarme den Techniker, der mich aber gleich mit folgenden Worten bremst: „Is schwierig. Kabel zerfetzt“ (zeigt auf das zerfetzte Kabel) „Geht so nicht. Muss Bagger kommen. Hoffentlich heute“.

Nachdenklich fuhr ich die paar Meter weiter, parkte den Wagen und betrat das Haus. Ging es nicht früher auch wunderbar, so ohne Internet und mit einem Bakelit-Telefon, dessen Samtkabel fest in der Wand verankert war? Handelte es sich vielleicht um eine Prüfung des Herrn? Opfert man heute Telefon und Internet, wo früher noch der Erstgeborene herhalten musste?

19. März, 15:06

*Ping!* Ein kurzer heller Glockenklang reißt mich aus meinen Gedanken. Was war denn das? Es klang so vertraut und gleichzeitig so weit weg. 5 Minuten später wieder: *Ping*. Das ist doch… Das ist doch… Ich springe auf und greife mit zitternden Händen mein Tablet. Und siehe da: Neue Nachrichten! Internet!

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Epilog

31 Stunden. Unter dem Strich hat die Telekom angesichts der Tatsache, dass es doch eines relativ hohen logistischen Aufwands bedurfte, um das Problem zu beheben, einigermaßen schnell reagiert. Die Kommunikation in meine Richtung (a.k.a. „Kunde“) war allerdings absolut unterirdisch. Obwohl diverse Schadensmeldungen vorlagen, waren diese nicht bekannt. Obwohl klar ein Kabelschaden gemeldet war, sollte ein Techniker den Hausanschluss prüfen. Nach über 24 Stunden bekomme ich einen Anruf, der mit das mitteilt, was ich am Tag vorher gemeldet habe. Am schlimmsten war die absolute Unfähigkeit irgendeine Art von Auskunft über den weiteren Ablauf zu geben. Hat Nerven gekostet. Gottseidank besitze ich eine Leiter!

Das digitale Dilemma

Der von mir hoch geschätzte Johnny Haeusler hat mit einer Kolumne in Wired viel Staub aufgewirbelt. Kernthese: Verlage, macht eure Websites dicht! Es folgte natürlich ein großer Aufruhr in der Medienwelt. Nachdem das Thema mich ja seit langem verfolgt, habe ich einmal (was ich sonst grundsätzlich nie tue) zur virtuellen Feder gegriffen und einen Kommentar geschrieben. Bittesehr:

Die geschilderte Ausgangssituation kann wohl jeder unterschreiben, der seine Kinder und deren Freunde bei der Mediennutzung beobachtet und/oder selbst viel im Netz unterwegs ist. Da wird schon lange nicht mehr nach dem Motto „ist ja alles so schön bunt hier“ von Website zu Website „gesurft“, sondern es werden ganz gezielt die Häfen angesteuert, in denen man seinen vertrauten Liegeplatz hat.

Letztes Jahr habe ich einige Panels zum Thema „Mediennutzung“ mit Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft durchgeführt und das Ergebnis war ziemlich eindeutig: Viele hatten gar keinen Fernseher mehr, sondern streamten nur noch; die Nachrichten kamen überwiegend über die sozialen Netze (bevorzugt Facebook, bei Studenten auch öfter mal Twitter) ins Haus.

Was deine Ausgangslage darüber hinaus stützt, ist die mittlerweile statistisch belegte Tatsache, dass sich das Mediennutzungsverhalten über die Jahre hinweg kaum ändert. Der insbesondere von Zeitungsverlegern gerne geäußerte Satz „die kommen schon noch ins Alter für die Zeitung“ stimmt schlicht und ergreifend nicht. Wer digital aufwächst, wird auch digital alt! Da kann sich durchaus das bevorzugte Social Network einmal ändern, ein Digital Native wirft aber nicht plötzlich das Tablet in die Ecke und raschelt mit Papierseiten.

Das haben nun nach langem und zähem Sträuben auch die Verleger erkannt und stecken viel Geld und Mühe in den Betrieb ihrer digitalen Angebote, um ihre Nachrichten auch weiterhin an den Empfänger zu bringen – und das auch noch unter verschärften Bedingungen, denn zum einen ist der Wettbewerb immens (so mancher Blogger meines Vertrauens muss sich nicht hinter professionellen Redakteuren verstecken), zum anderen erhalten Verlage für ihre digitalen Angebote nur einen Bruchteil der Vertriebs- und Anzeigenerlöse, die sie aus den guten alten Print-Zeiten gewohnt sind.

Nun sind aber auch Verlage Wirtschaftsunternehmen und müssen mit dem, was sie da tun, Geld verdienen. Und genau das ist der Punkt, wo ich Schwierigkeiten mit der Handlungsempfehlung habe, die Du aus der so treffsicher beschriebenen Ausgangslage ziehst: „Reduziert eure Wertschöpfungstiefe, Verlage! Werdet Zulieferbetriebe!“.

Aus meiner Sicht kann Dein Vorschlag aus folgenden drei Gründen nicht funktionieren:

1. Die Kraft der Marke
Der ideelle und wirtschaftliche Wert einer Nachricht – also sowohl deren Glaubwürdigkeit, als auch das Geld, das sich mit dem Verkauf der Nachricht verdienen lässt – steht und fällt mit der Qualität des Absenders. Wenn dpa, SZ oder Spiegel etwas veröffentlichen, nimmt man das anders wahr, als wenn es aus irgendeiner ominösen Quelle stammt, die sich nicht wirklich nachvollziehen lässt. Das haben gottseidank auch Deine und meine Kinder mittlerweile glasklar erkannt. Unterm Strich geht es also um Kraft der Marke, was Du ja auch selber bestätigst, wenn Du schreibst „Die generelle Funktion von Verlagen und Marken als vertrauenswürdige Absender und Kuratoren wird also keineswegs überflüssig“. Nachdem sie ihr Informationsmonopol verloren haben, bleiben den Verlagen als Kernkompetenzen nur noch ihre ausgebildeten Redaktionen und ihre Marken. Wie sollen sie ihre Marken stärken, wenn sie bestenfalls noch im Co-Branding auftauchen?

2. Der Geiz der Social Networks
Google, Facebook & Co verbreiten zwar liebend gerne den Content anderer Quellen, weil es ihre Reichweite befördert, aber sie zahlen nicht dafür. Und sie sind mittlerweile so stark, dass sie diese Position auch durchsetzen können. Jüngstes Beispiel ist das Einknicken der VG Media (Zusammenschluss der wichtigen deutschen Verlage), die gegen die unentgeltliche Nutzung ihrer Inhalte durch Google vorgehen sollte. Am Ende des Tages haben die Verlage gegenüber Google eine widerrufliche ‘Gratiseinwilligung’ in die unentgeltliche Nutzung ihrer Presseerzeugnisse abgegeben. Begründung: “Die VG Media Presseverleger sehen sich angesichts der überwältigenden Marktmacht von Google zu diesem außergewöhnlichen Schritt gezwungen”. Natürlich brauchen Facebook, Snapchat und Co. den Content der verlinkten Sites – die Abhängigkeit ist gegenseitig. Jeff Bezos hat sicherlich nicht ohne Hintergedanken 250 Mio. $ für die Washington Post auf den Tisch gelegt (die übrigens auch immer noch eine Website betreibt). Aber dass sie, wie Du schreibst „genauso wie die alten Nachrichtenkanäle agieren und in naher Zukunft professionelle Content-Lieferanten bezahlen werden“ halte ich für sehr, sehr unwahrscheinlich.

3. Die Penunze
In Ansätzen funktioniert bezahlter digitaler Journalismus bereits. Es sind ebenso seltene, wie fragile Ansätze, aber immerhin. Der gesichtsbehaarte Chefredakteur wird nicht müde, mit den 200.000 digitalen Abonnenten seiner fragwürdigen Publikation zu prahlen. Das Wall Street Journal hat über 900.000 digitale Subscriber, die jeden Monat 22$ zahlen. Die Paywalls schießen aktuell wie Pilze aus dem Boden. Auch als digitales Werbeumfeld mit hochwertigen Zielgruppen funktionieren die Verlagswebsites. Soll man da jetzt wirklich die Tür abschließen und den Schlüssel wegwerfen?

Ich teile also die von Dir geschilderte Ausgangssituation voll und ganz, komme aber zum genau gegenteiligen Schluss: Verlage, baut Eure Websites aus! Der direkte Kontakt mit dem Leser ist für Verlage überlebenswichtig. Exklusive, gut recherchierte und interessante Nachrichten einfach auf einen Cloudserver mit thesaurierten xml-Dateien zu stellen, würde den Markenwert der Verlage vernichten, die Einnahmen deutlich reduzieren und auf Sicht zum großen Redaktionssterben führen.

Cody Beebe & The Crooks – Garage Deluxe, Freitag der 13. (Februar 2015)

Cody Wer? Cody Beebe! (und die Crooks nicht zu vergessen). Auf die wäre ich zugegebenermaßen selbst nie gekommen, wenn ich nicht den Tipp vom Romy (ja, der Romy von der Garage Deluxe) bekommen hätte, dass ich zu diesem Konzert besser gehen sollte („gleicher Tour Manager wie die Delta Saints“…). So etwas lässt man sich natürlich nicht zweimal sagen und so liefen wir dann zu Sechst in der schönsten Garage Münchens ein. Leider Gottes war Romys Botschaft offensichtlich nicht besonders weit gedrungen, denn wir stellten mit unserer kleinen Mann- und Frauschaft mehr als ein Viertel des gesamten Publikums. Angesichts des tollen Konzertes, das uns erwarten sollte, eine absolute Schande.

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Cody Beebe & The Crooks, das sind:

Cody Beebe – Lead Vocals, Guitar
Skyler Mehal – Guitar, Vocals
Eric Miller – Bass, Vocals
Aaron Myers – Keys, Organ, Vocals
Brian Paxton – Drums, Vocals

Musikalisch sind die Jungs irgendwo zwischen Lynyrd Skynyrd, Alice in Chains und Bob Seger angeordnet. Kraftvoller Western Bluesrock mit einem ordentlichen Schlag Country.

Brian Paxton trägt einen sehr beeindruckenden Bart, spielt ein ausgesprochen heftiges Doppelpedal und ist am Drumset so gefährlich, dass er hinter einer Plexiglaswand weggesperrt werden muss. Aaron Myers musste an einem geliehenen KORG Karma spielen, weil sein Keyboard (wie auch die Gitarre von Skyler Mehal) in einem Schwarzen Loch am Flughafen Chicago verschwunden ist. Obwohl das ausgesprochen wackelig aussah, war er an den Tasten gut dabei. Bei Skyler Mehal hat mir speziell das Spielen mit dem Bottle Neck gefallen, auch sonst ein ziemlich guter Gitarrist. Eric Millers Bass Solo war richtig gut.

Und dann ist da noch Cody Beebe, der charismatische Sänger der Band mit einer tollen Stimme und einer kraftvollen Leadgitarre (die verwendeten Adjektive sind in diesem Fall austauschbar). Gerade 30 Jahre alt geworden und für mich – vom Aussehen bis hin zur Stimme – einfach nur der Junge Bob Seger.

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Die Band kommt aus Seattle, spielt seit 6 Jahren zusammen und ist vor Ort eine der Gruppen, zu denen man einfach geht, wenn sie angekündigt sind, weil ein guter Abend vorprogrammiert ist. In Europa sind sie noch vollkommen unbekannt. Ihr Konzert in der Garage war ihr erster Auftritt diesseits des Atlantik. Den Hintergrund der Tour beschreiben sie sehr schön auf ihrer Band-Website

There’s been days when any one of us maybe wanted to walk away. There’s been times when it just didn’t seem worth it – months of eating chicken out of a can, broke as a joke, sleeping on hotel floors, crammed six, seven deep in a van with our loved ones at home… But, hard work truly does create opportunity. And this month, we are taking that opportunity head on. We are living out a long held dream of sharing this music internationally. We get to spend 35 days travelling through Europe, singing and playing, sharing our story and the stories from our home.

Da standen die fünf Jungs nun vor etwa 20 Personen im Publikum. Ich habe mich kurz gefragt, ob sie überhaupt anfangen zu spielen. Aber – und das zeigt sich speziell in der Garage immer wieder: Musiker aus Überzeugung sind Musiker aus Überzeugung. Und so haben sie dann einfach mit einem Mix aus Blues, Rock, Western und Country die Garage gerockt. Ein richtig (!) gutes Konzert.

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Beim Gespräch mit den Fünfen hinterher an der Bar erzählte mir Skyler, dass sie in Texas auch schon einmal vor 2 Personen gespielt haben. Cody meinte nur: „Es ist nicht entscheidend, vor wie vielen Leuten du spielst. Es ist nur wichtig, wie diejenigen, die da stehen drauf sind. Und wenn da der Funken überspringt, dann wird es ein gutes Konzert“. Unterschreibe ich hiermit ehrfürchtig und anerkennend. Nuff said!

Schade, schade, dass nur so wenige Leute dieses erste Konzert der Band in Europa miterleben durften! Sicherlich: Faschingswochenende, Ferienbeginn, kaum Marketing. Dennoch: Einfach schade! (und nein, ich beginne jetzt nicht wieder mein regelmäßiges Lamento über die ausverkauften 150EUR-Konzerte der Boring Old Farts).

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Die gute Botschaft ist: Ihr habt noch die Chance, Cody Beebe & The Crooks in Deutschland zu sehen, wenn ihr z.B. aus Singwitz oder Bordesholm kommt… Geht hin, es lohnt sich!

Cody Beebe & The Crooks First European (and German) Tour 2015

Mar 06 Kulturrampe Krefeld,
Mar 07 Kesselhaus Singwitz,
Mar 10 Meisenfrei Bremen,
Mar 11 Musicstar Nordhastedt,
Mar 12 Club Hamburg,
Mar 13 Savoy Bordesholm,
Mar 14 Kofferclub Furth

Tenacious D, 6.2.2015 Tonhalle

Der Craggan wird langweilig. Irgendwie andauernd die gleichen Bands. Zum dritten mal in 2 Jahren die hier. Ich weiß. Ich gelobe Besserung. Zum Beispiel werde ich das nächste Konzert von TenaciuosD dann mal auslassen.

Aber von Vorne: Die aktuelle Tour nennt sich „Unplugged and Unprotected“ und das Münchener Konzert war binnen eines halben Tages ausverkauft. Jack und Kyle haben in Deutschland wohl die größte Fanbase außerhalb der Staaten. Entsprechend voll war die Tonhalle (eigentlich gemeinsam mit dem Freiheiz die schönste mittelgroße Location Münchens. Kleiner als das Zenith und die Muffathalle, größer als das Strom oder die Garage). Zu voll. Da, wo ich immer stehe (so 10-15m vor der Bühne), konnte man kaum mit dem Hintern wackeln. Und: Selten so schlechte und verrauchte Luft erlebt, seit das Rauchverbot unterwegs ist. Aber OK, da musste durch, wenn du in Konzerte gehst und dir nicht die Rückseite im Gasteig plattsitzen willst.

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Vorgruppe – wie immer – Sasquatch. Der begnadete Gitarren-Roadie im Pelzkostüm. Der ist ja immer wieder nett, aber auch immer wieder exakt das Gleiche bis hin zum abgespielten Set. Dann nach einer vollkommen unnötigen, weil überflüssigen (weil es nix umzubauen gab!) Umbaupause endlich TheD! Gleich zu Beginn an mit einem ihrer größten Knaller: Tribute. An dieser Stelle sei einmal das Publikum gelobt, das in München ja gerne mal (bei Konzerten wie auch in der Allianz Arena) eine grantelnde Konsumentenhaltung einnimmt. Nicht so hier. Vom ersten Ton an wurde bis zum Ende jedes Wort mitgesungen. Beeindruckend!

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Das Akustikkonzert mit Kyle und Jack an den Gitarren, so ganz ohne Band und Show war dagegen leider nicht wirklich beeindruckend. Jack Black hat an den Saiten wirklich dazugelernt, aber er ist eben eher der ziemlich gute Sänger und die begnadete Rampensau. Bei den schwierigen Griffen verknoteten sich dann schon mal die Finger und die Barré-Akkorde kann er schlicht einfach immer noch nicht. Damit lag die ganze musikalische Last auf Kyles Schultern und die sind zwar breit, aber doch nicht SO breit. Dazu kommt, dass das Repertoire von TenaciousD zwar durchaus nicht schlecht ist, aber eben rein musikalisch und unplugged eben keinen ganzen Abend füllen kann. Kurzum: Es war ein netter Abend mit Junior und Felix und immer noch besser, als zu Hause mal wieder vor dem Rechner zu versumpfen, aber mehr auch nicht. Und 50 Euronen sind ganz schön amtlich für 2 Jungs ohne Show und Band. The D lebt eben doch ziemlich von den riesigen erigierten, Lametta ejakulierenden Penissen auf der Bühne, von guten Begleitmusikern und kämpfenden Robotern on stage.

Nächstes mal dann ausnahmsweise ohne mich.

Beatsteaks 14.12.2014, Zenith

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Etwas verspätet (na gut – SEHR verspätet) und im Wesentlichen um meiner Schlagschnitzelchronistenpflicht nachzukommen, nur ganz kurz der Rückblick auf das Beatsteaks-Konzert am 14.12. in München. Die Jungs sind einfach die beste deutsche Liveband der Gegenwart. Punkt. Keine Diskussionen. Nachdem die neueste Scheibe von denen schon sehr amtlich war, war die Freude auf`s Konzert natürlich um so größer – und ich wurde nicht enttäuscht. Leider hat nun auch im Zenith der Wellenbrecher-Wahnsinn Einzug gehalten und so konnte ich nicht weiter nach vorne, allerdings entpuppte sich der Platz direkt hinter dem Wellenbrecher dann als die eigentliche Mosh Pit. Mitgefangen, mitgehangen, habe ich dann über zwei Stunden meine müden Knochen hüpfenderweise durch die Gegend bewegt.

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Über 2 Stunden? Ja! Über 2 Stunden… Bereits nach etwa 80 Minuten war das erste Set schon beendet und ich etwas enttäuscht, gehen doch die Steaks normalerweise nicht vor 1,5 Stunden erstmals von der Bühne, aber es entpuppte sich nur als kurzer Break, weil Arnim ein Geburtstagsständchen des Publikums für seinen Opa mit dem Handy aufnehmen wollte. Verbunden mit der Ankündigung: „Wenn ihr das macht, spielen wir, bis ihr nicht mehr könnt!“. Nunja, es wurde ein amtliches Ständchen und nicht nur ich konnte dann zum Schluss einfach wirklich nicht mehr. Das schweißnasse Publikum war dann letztlich ganz froh, als die Beatsteaks es aus den klauen ließ.

Ich korrigiere mich dann gleich mal: Eine der besten Live-Bands der Gegenwart – nicht nur in Deutschland!

The Delta Saints, Garage Deluxe, 13.9.2014

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Und wieder mal eine dieser Bands in der Garage Deluxe, bei denen man sich denkt. „Warum spielen die hier vor 100 Leuten? Die müssten doch locker das Olympiastadion füllen!“ – naja, guter Geschmack ist wahrscheinlich doch eher etwas Exklusives. Bayern 3 hören ja auch mehr Menschen, als Flux FM…

Die fantastischen Delta Saints aus Nashville, Tennessee waren also in der Garage und ich konnte nicht anders, als dem Besitzer derselben genau ebendiese Frage zu stellen: Wie um Himmels Willen kommst du an die Delta Saints? Romy lächelte sardonisch und meinte: „Leute kennen!“. Oder eben in Venues gehen, wo die Besitzer die richtigen Leute kennen (in diesem Fall den Tourmanager der Saints). Selbiger war natürlich auch anwesend und ich wollte wissen, auf welche Dauer denn der Gig so angelegt sei. Vertraglich vereinbart waren 75 Minuten plus (nicht vertraglich vereinbarte) Zugaben. Nun – es wurden fast zwei Stunden von allerfeinster Qualität.

Was für Musik die machen? New Orleans Swamp Blues Rock. Richtig gut. Mit Anklängen von Dixie Chicken und L.A. Woman (in der Tat hat der Keyboarder sicherlich mehr als einmal bei den Doors reingehört).

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Ein sehr charismatischer Sänger dazu, mit einer sehr eingängigen Stimme und Musiker, die ihr Handwerk wirklich beherrschen. Nach ihrem bislang wohl besten Album, Death Letter Jubilee haben die Saints soeben ein sehr geniales (auch sehr gut abgemischtes) Live-Album veröffentlicht, wenn man da reinhört, bekommt man einen ungefähren Eindruck. Ich fand das Konzert in München fast noch kraftvoller, als das Konzert auf der Konserve. Hut ab vor einer Band, die vor gut 100 Leuten einen solch genialen Gig abliefert.

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Aus den vereinbarten 75 Minuten wurde ein 90 Minuten Konzert, das Publikum tobte, es kamen noch einmal 20 Minuten Zugabe (u.a. ein sehr sehr schönes Cover von Gnarls Barkley’s „Crazy“ – ich fand’s besser, als das Original!) und dann – wohl wirklich nicht geplant – nach lang anhaltendem Toben des Publikums als letzter Song das Cover von Come Together.

Danke an die Band, für so einen kraftvollen Auftritt. Danke an Romy von der Garage für’s Herholen! Mehr Infos über die Saints bei Interesse hier auf der Website der Band

Cluburlaub. The Horror!

Nachdem ich mich jahrelang – ach was: jahrzehntelang erfolgreich dagegen gewehrt habe, hat meine Holde nunmehr einen so fantastischen Freundschaftspreis in einem dieser Clubs ergattert, dass ich nurmehr qualitative, jedoch keinerlei quantitativen Gegenargumente mehr aufbringen konnte, und mich letztlich geschlagen gab. Cluburlaub also. Nach einer sehr (!) relaxten Woche auf einem kleinen Schiff entlang der Türkischen Küste (ich kann Schiff und Kapitän nur wärmstens empfehlen und gebe gerne die Kontaktdaten weiter) landeten wir also schlussendlich im Robinson Club Sarigerme.

Meine festgefahrenen Vorurteile: In Clubs gehen dir gutgelaunte Ronald Mac Donalds so lange auf die Nüsse, bis du dir entnervt eine Poolnudel schnappst und die Aquagymnastik mitmachst. Um es vorwegzunehmen: Das war nicht der Fall. Es war nicht so schlimm, sondern anders schlimm.
So ein Club ist ein kleines Stück Deutschland in der großen weiten Welt. Man spricht Deutsch, trinkt deutsch und verhält sich deutsch. So werden bspw. die ersten Handtücher gegen 06 Uhr morgens ausgeworfen – ab 07:30 ist der Strand mit TUI-blauem Frottee gepflastert.
Der typische Cluburlauber sucht sich das Urlaubsziel nicht nach der Attraktivität des bereisten Landes aus, sondern nach dem Sportangebot seines Clubs – oft weiß er nach 2-3 Tagen gar nicht mehr, in welchem Land er sich eigentlich befindet, weil er ausschließlich in Clubs Urlaub macht, und die sehen ja alle gleich aus. Gewiefte Clubberer können allerdings aus den Namensschildchen des einheimischen Putz- und Buffetpersonals immerhin Rückschlüsse auf den Kontinent ziehen, auf dem sie sich gerade befinden.

In „unserem“ Club gab es zweierlei Besucherkategorien:

1.: Die Älteren: Die Älteren waren so zwischen 40 und 70 Jahre alt. Die Männer überwiegend Chefarzt, Steuer- oder Unternehmensberater. Golf und Tennis. Oder Katamaran. Die Frauen jeweils die Ehefrauen der Männer (bei sehr großem Altersunterschied vermutlich Sprechstundenhilfe oder Assistenzkraft).

2.: Die Jüngeren: Extrem durchtrainierte, gutaussehende, smarte Männer in Begleitung von Top-Models in Stringtangas oder Fitnesstrainerinnen in Hot Pants. Der bloße Anblick ließ mich verschämt den Blick auf meine Wampe richten und rot anlaufen. Nicht schön!

Altersunabhängig kleidet der Herr sich durchgängig in unglaublich sympathiegeladene Marken wie Hollister, Camp David, Ralph Lauren oder Abercrombie&Fitch. Wichtig jeweils der aufgestellte Polohemdkragen. Die Marken der von den Ladies getragenen Stringtangas konnte ich ohne Lesebrille leider nicht identifizieren.

Der Cluburlauber fährt in den Club, um im Urlaub keine Sehnsucht nach dem heimischen Fitness-Center aufkommen zu lassen. Unser Club hatte 9 Stockwerke und erinnerte ein wenig an die sozialistischen Prachtbauten entlang der Frankfurter Allee. Neben den Wohnetagen gab es eine „Wellfit-Ebene“, eine „Body und Soul Ebene“, eine „Spa Ebene“, eine „WWF Mudwrestling & Fight Club Ebene“, eine Bogenschießanlage, 20 Tennisplätze, ein riesengroßes Wassersportcenter und eine Poolnudelcorner. Dumm nur, wenn man, wie wir, am falschen Tag anreist und die entsprechenden Einweisungskurse verpasst. Dann darf man nämlich weder am Bogenschießen, noch am Wassersport teilnehmen und muss 2-3 Tage warten, bis der nächste Kurs beginnt. Cluburlaub ist Fitnesstraining bei 40 Grad im Schatten! Und anschließend: Essen!

Das Essen! Die vielen verbrannten Kalorien wollen ja wieder irgendwie zurückkehren. Deswegen kann man im Club den ganzen Tag essen: Frühstück von 7:00-11:00, Mittagessen ab 12:00 im Hauptrestaurant, an der Poolbar und an der Strandbar, dann der Nachmittagssnack, das Abendessen, der Mitternachtssnack. Buffets so groß, dass sie sich am Horizont verlieren. Schade nur, dass das Hauptrestaurant im 4. Stockwerk des Plattenbaus liegt und Charme und Akustik einer Aussegnungshalle hat. Will man in einem der kleineren Restaurants unter freiem Himmel essen, zahlt man zum eh schon happigen All Inclusive-Preis noch einmal um die 25 Euro (pro Person) dazu. Selbst auf die zum Hauptrestaurant gehörige Terrasse kommt man nur, wenn man eine Flasche Wein ordert (und bezahlt), obwohl recht gute Weine im Preis inbegriffen sind.

Überhaupt: „All Inclusive“ ist nur so eine Halbwahrheit. Nicht nur bei den Restaurants zahlt man auf, wenn man es netter haben möchte, auch die morgendliche Radtour wird nur gegen Geld angeboten. Surfboards und Katamarane darf ich zwar kostenlos leihen, aber nur wenn ich einen offiziellen VDWS-Schein vorweisen kann. Falls nicht, muss ich einen Kurs mitmachen, der mich wieder ca. 200 EUR kostet. Fährt einer der „Robins“ vom Wassersportzentrum mit einem aus, so kostet das 30 EUR. Und zwar nicht für den Kat, sondern pro Person! Trainerstunden beim Tennis kosten happig extra. Ein kostenloses Gruppentraining gibt es nicht. Usw. Usw. Nutzt man diese kostenpflichtigen Angebote ausgiebig, kommt schnell noch mal ein vierstelliger Betrag auf den „All Inclusive“ Preis oben drauf.

Ein Bericht über einen Cluburlaub wäre natürlich vollkommen unvollständig ohne eine kurze Bemerkung über das Abendprogramm. Die freundlichen Animateure sind ja alle auch Tänzer, Schauspieler, Sänger und Akrobaten und jeden Abend wird eine Show aufgeführt. Wir waren nur bei einer Show, die war aber erstaunlich gut (angelehnt an Stomp, Blue Man Group & Co). Nach Beendigung der Showtime wird auf dem „Schachbrett“ (die türkische Übersetzung gefiel mir besser: „Dans Pisti“) der Clubtanz vor- bzw. aufgeführt. Den kann man nicht beschreiben. Den muss man gesehen haben. Ich werde das jetzt morgens in der Firma einführen, fürs Wir-Gefühl.

Nach dem Clubtanz ist man dann dem freundlichen sächsischen Chefanimateur Patrik ausgeliefert. Club heißt ja Wir-Gefühl, deswegen ist es absolut nicht vorgesehen, sich der Party zu entziehen und irgendwo nett ein Glas Wein zu trinken, mit den Kids Karten zu spielen oder zu lesen. Vielmehr soll man sich rund um die Tanzpiste scharen, auf der jeden ! verdammten ! Abend ! irgendwann Helene Fischer mit „Atemlos durch die Nacht“ gespielt wurde. Psychoterror!

Fazit: Wer gerne reist, um Land und Leute kennen zu lernen, wer auch einmal mit unvorhergesehenen Geschehnissen umgehen kann und möchte, wer kleine, schnuckelige lokale Restaurants und Cafés kennen lernen möchte, der ist im Club falsch. Wer gerne Sport treibt, isst und jeden Abend Party machen möchte, es dabei schön warm haben will und auf jeden Fall Deutsche Sitten und Tugenden nicht daheim lassen möchte, der ist im Club sicherlich gut aufgehoben.

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