Burmese Days – Pt. 4 Bagan

27.10.
The Early Bird Catches The Sun

Bagan muss man sich als weite grüne Ebene mit Wiesen und Bäumen vorstellen, in die diverse Herrscher rund um die erste Jahrtausendwende hunderte Tempelanlagen aus Ziegelstein gebaut haben oder besser haben bauen lassen. In Summe ergibt das heute ein sehr malerisches Gesamtbild in dem man – vollkommen unabhängig vom Standort – in allen vier Himmelsrichtungen Pagoden sieht.

Viele dieser Gebäude haben bemerkenswerte Geschichten, die sich bestens für ein Game Of Thrones Prequel eignen würden. Da wurden Königreiche erobert, Könige eingesperrt, Väter, Mütter, Schwiegersöhne und natürlich Ehefrauen ermordet oder Sklaven die Arme abgehackt, wenn sie beim Mauern zu große Lücken zwischen den Steinen ließen (eine Maßnahme, die mir seinerzeit beim Bau unseres Hauses auch schon einmal in den Sinn kam).

Die meisten Tempel sind ähnlich aufgebaut: Viereckig, innen ein Rundgang, in der Mitte ein Quadrat in dem in jeder Himmelsrichtung ein Buddha sitzt und einen anlächelt. Außen 1-2 Terrassen, die heute im Wesentlichen zum Betrachten von Sonnenauf- und untergängen genutzt werden.

Vor den wichtigeren Tempeln reihen sich Stände von Souvenirverkäufern, die zwar noch nicht so aufdringlich sind wie z.B. in Ägypten, aber einem doch zunehmend auf die Nerven gehen. Der Ablauf ist immer: „Where do you come from?“ „Germany? Guten Tag!“ „let me show you this temple“ (daraufhin kleben sie wie Pech an deinen Hacken und du wirst sie nicht mehr los) und schließlich „now you have a look at my goods“. Wir sind dazu über gegangen, auf die Frage „where are you from?“ mit „Kamchatka“ zu antworten. Das hat sie etwas verwirrt und man wurde nicht mit deutschen Brocken beworfen („langsam langsam“, „Achtung Kopf“ …).

Unter den Husslern sind sehr viele Kinder, die einen mit traurigen Knopfaugen anschauen und Postkarten und selbst gemalte Bildchen verkaufen wollen. Man hat natürlich Mitleid, aber wenn man dann kauft, unterstützt man es quasi, dass sie statt zur Schule zu gehen einen schnellen Kyat machen wollen. Also Hände weg.

Es sind zwar buddhistische Tempel, aber mir ging doch irgendwann eine Bibelstelle durch den Kopf:

Dann ging Jesus in den Tempel, jagte alle Händler und Käufer hinaus, stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenverkäufer um und rief ihnen zu: »Ihr wisst doch, was Gott in der Heiligen Schrift sagt: ›Mein Haus soll ein Ort des Gebets sein‹, ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus! (Matthäus 21,12)

Besonders berühmt ist Bagan für seine Sonnenauf- und Untergänge, die man sich entweder aus einem Heißluftballon (45 Minuten kosten pro Person 350 USD…) oder von einer der höheren Pagoden aus ansieht. Der Wecker klingelte also um 05:15 Uhr. Die als Geheimtip gehandelte Law Ka Oushong Pagode war um 05:40 bereits überfüllt, aber wir hatten Glück und ein einheimischer Junge aus der Gilde der Bilderverkäufer (s.o.) nahm uns mit zu einem „secret place“, eine namenlose Pagode mitten im Grünen abseits der ausgetretenen Pfade. Dort saß auch nur eine Handvoll Menschen.

Der Sonnenaufgang war fantastisch. Zuerst färbt sich der gesamte Himmel lila und rosa, dann erscheint ein glutroter Ball, der alles in rötliche Farben hüllt. Zwischen den Pagoden steigt der Nebel auf. Nach einer weile sprenkeln Heißluftballons den Himmel. Absolut einmalig.

Nach einem herzhaften Frühstück sind wir dann auf unseren E-Bikes so lange von Tempel zu Tempel gehüpft, bis uns der Kopf vor lauter Buddhas und Wandmalereien schwirrte. Nachmittags ein kurzer Abstecher an den Iryawaddy auf einen Drink.

Abends noch nach Nyaung U, das aber außer vielen Straßen-Restaurants und Hostels nicht viel zu bieten hat.

 

28.10.
Another Day in Pagodise

Ausgeschlafen und erst um 08h gefrühstückt. Das ist der pure Luxus auf so ner Bildungsreise. Die Tochter ist ja aktuell 4 Monate mit dem Rucksack in Asien unterwegs und hat ihre Aufstehzeiten hier drüben von 14:00 auf 05:30 verlagert. Abends wird es dunkel und wenn man nicht in irgendeiner Party Zone unterwegs ist (Full Moon auf Koh Phangan oder so), passt man sich relativ schnell dem Rhythmus der Einheimischen an, steht ziemlich früh auf, denn da ist es a. hell, b. noch angenehm kühl und c. das Licht ist gut zum Fotografieren (letzteres ist kein primäres Argument für die Einheimischen). Der Abend ist dafür so gegen 22-23h auch gelaufen.

Wir also in Richtung Westen nach Minnanthu, da haben wir einige der insgesamt 3.000 Pagoden noch nicht inspiziert. Mein Hauptziel war ein immer noch aktives buddhistisches Kloster, das in ein Höhlensystem hineingebaut ist. In maulwurfartig gegrabene Stollen, in denen ich nicht aufrecht stehen konnte, waren Nischen gehauen, in denen Pritschen standen. Irgendwo gab es eine Art Küche – es lag ein Haufen Zwiebeln herum und daneben ein schiefer Turm aus Steinguttellern. Willkommen im frühen Mittelalter! Relativ bald mussten wir Tag 2 abbrechen, weil 50% der 2-Personen-Reisegruppe akute Verdauungsprobleme hatten. Also Loo und Pool bis Nachmittags. War aber gar nicht so schlimm, weil wir damit der Mittagshitze gut ein Schnäppchen geschlagen haben. Gegen 16:00 dann nochmal E-Scooter gemietet und zum Sonnenuntergang-Schauen auf die Bulethi Pagode.

Als Tourist darfst Du hier – anders als überall sonst in Asien – keine 125ccm Mofas leihen, sondern nur elektrisch betriebene Scooter, die so ca. 60 km/h fahren, also ausreichend schnell, und keinerlei Lärm oder Abgase von sich geben. Damit, oder mit einem Mountainbike (kann man auch leihen, ist aber um einiges teuerer, als die E-Scooter) düst Du dann von Pagode zu Pagode. Man ist viel schneller, als in Pferdekutsche, Ochsenkarren oder auch Jeep (weil man besser um die Schlaglöcher kurven kann), hat Fahrtwind und kommt überall hin. Tolle Sache!

Wir also mit den Scootern zur Pagode, ca. eine Stunde vor Sonnenuntergang da, es war aber schon mächtig was los. Eine bunte Mischung aus Japanern, Italienern, Franzosen und anderen Nationalitäten saß harmonisch dicht an dicht. Die einzigen, die Stress gemacht haben, waren natürlich Deutsche („hey, ei waz hier först“, „ju kennot ztent zer!“, „Klaus, komm her, hier ist noch Platz!“ (da war kein Platz mehr…). Naja, ihr kennt das. Um es kurz zu machen: Der Sonnenuntergang war nix. Die Sonne verschwand vollkommen unspektakulär hinter einer Wolkenbank und ward nicht wieder gesehen.

Um den Tag abzurunden sind wir noch zu einer Pagode, die wir immer nur von oben gesehen haben und die interessant und anders aussah, als alle anderen, nämlich wie eine weiße Pyramide. Maha Bodi. Es sei „indischer Stil“ sagt Lonely Planet. Hat sich auf jeden Fall noch mal gelohnt.

Wir sind abschließend wieder auf unser Barboot, die Erawati Raft, und haben da das verdiente Feierabend-Myanmar getrunken.

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