Archiv der Kategorie: FC Bayern

Wunderschöne Südkurven-T-Shirts

Die Schickeria hat das klassische 72-Shirt in neuem Design wieder aufgelegt. 1972 ist das Eröffnungsjahr des Olympiastadions und damit das Gründungsjahr der Südkurve:

T-Shirt

Nachdem ich gutmütiger Trottel mich als Sammelbesteller zur Verfügung gestellt habe, Twitter aber nicht für alles zu gebrauchen ist (speziell nicht für übersichtliche Features!) hier noch einmal der Überblick über die Bestellungen:

Rot S – @hauptPa*
Rot M – @schnittchen, @El_ReyMUC, @El_Loko, @codepiX
Rot L – @stadtneurotikr, @Gerlandiola, @Nachbarshund*, @hitmanfan
Rot XL – @schnumbi, @jan666*, @sammyKuffour, @SD2MUC
Rot XXL
Rot 3XL – @Ojweh, @sil3nz_FCB*
Weiß S – @paragraf632, @hauptPa*
Weiß M – @El_ReyMUC
Weiß L – @Nachbarshund*, @DerEmbi*, @Gerlandiola, @hitmanfan
Weiß XL – @sammyKuffour, @SD2MUC
Weiß XXL
Weiß 3XL – @Ojweh

Falls irgendwelche Korrekturen anstehen, bitte via Twitter an @Ojweh

Ich nehme die Dinger dann mit zum FCB-VfB-Spiel zum C12-Stand.Wer sie da direkt abholt, kann mir das Geld dann da geben.

Alle anderen mögen mir bitte vorher Shirt (+Shipping falls auswärts) überweisen. Für die Münchner speichere ich die Shirts bis zum #tpmuc (hoffentlich kommt ein Termin zustande, an dem ich auch kann).

Alles klar?

Istanbul united

Weil es überall ja derzeit nur um Fußball geht, schreibe ich gegen den Trend einmal eine Filmrezension. Derzeit laufen nämlich die Filmfestspiele in München, und da war ich heute bei der Deutschlandpremiere von Istanbul United, einem Film von Farid Eslam und Olli Waldhauer

Ein Dokumentarfilm über Kameradschaft in schwierigen politischen Zeiten, über Hass zwischen rivalisierenden Gruppen, über den türkischen Frühling, Taksim und die Protestbewegung. Und über Ultras. Ein beeindruckender Film.

Die erste halbe Stunde des Films zeigt fast nur Bilder aus den Kurven der 3 großen türkischen Vereine Besiktas, Galatasaray und Fenerbahce, das Zusammenhaltsgefühl, die gemeinsamen Emotionen, Corteos, Fangesänge. Man sieht nie etwas vom Spiel, die Kamera ist immer mitten in der Kurve zwischen den Ultras. Führende Mitglieder der jeweiligen Ultragruppierungen werden vorgestellt und berichten über ihren „Werdegang“ vom Kind, das mit dem Vater zum Fußball ging hin zum fanatischen Fan.

Die zweite halbe Stunde zeigt den ungebremsten Hass zwischen den Anhängern der Vereine. Krasse Aussagen und Zitate. Ein türkischer Sportjournalist berichtet über eine Messerstecherei zwischen Ultras, bei der ein 17-Jähriger ums Leben kam. Üble Jagdszenen auf den Straßen werden gezeigt.

Und dann der eigentliche Aufhänger des Films – die Proteste auf dem Taksim Platz und im Gezi Park. Das menschenverachtende, faschistoide Vorgehen der Polizei und des (immer noch regierenden) Türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. Die Filmemacher waren live dabei und haben in den Tränengaswolken gefilmt.

Und dann ein kleines Wunder: Die drei verfeindeten Fangruppen marschieren gemeinsam auf dem Taksim ein und unterstützen die Protestierenden. Schulter an Schulter. Tränengas- und Polizeiprügelerfahren. Ein typischer Fangesang aller drei Vereine wird immer wieder skandiert: „Nehmt Eure Helme ab, werft eure Schlagstöcke weg, und dann sehen wir, wer gewinnt!“. Ein bisschen wie bei John Wayne, wenn die Kavallerie einreitet. Echte Gänsehautmomente. Gegen die Feindschaft der Vereine in Istanbul sind Schalke und BVB ein Liebespaar – und dann singen die gemeinsam.

Nun, das Ende der Geschichte ist ja bekannt. Herr Erdogan hat seine Truppen forciert und die Demokratie vom Taksim vertrieben – aber in der Türkei hat sich etwas verändert. In den Stadien wird von allen Anhängern immer wieder „Überall ist Taksim, überall ist Widerstand!“ skandiert.

Der Film endet mit dem ersten Derby zwischen Besiktas und Galatasaray nach dem Protest, ein Derby, das im Chaos endete. Besiktas lag mit 1:2 im Rückstand, es war die dritte Minute der Nachspielzeit, als der Galatasaray-Spieler Felipe Melo ein Foul beging und die Rote Karte sah. Während das Publikum Slogans der Gezi-Protestbewegung brüllte, stürmten Hunderte mit Plastikstühlen und Fahnenstangen das Spielfeld. Spieler und Schiedsrichter flüchteten in die Kabinen. Polizei zog auf und schoss (wieder einmal) mit Tränengas. Die Besiktas-Ultras („Carsi“) sind die einzigen der drei Fangruppierungen, die sich offiziell zum Gezi-Protest bekannten und werden von Erdogan seitdem als Terroristen verfolgt. Der im Film gezeigte Capo wurde mit als erster verhaftet.

Farid Eslam und Olli Waldhauer haben hinterher noch ausgesprochen interessant aus dem Nähkästchen geplaudert. Darüber, dass man schlechterdings nicht mit Gasmasken in Istanbul einreisen konnte und deswegen mit Taucherbrillen und Lackierermasken gefilmt hat. Die Brillen halfen, die Masken nicht. Man hört im Film öfters mal Eslam hinter der Kamera kotzen. Man gewöhne sich aber mit der Zeit an das Tränengas, sagte er. Regisseur Eslam musste selbst filmen, weil der istanbuler Kameramann am ersten Tag bereits verhaftet wurde und dann vier Tage hinter Gittern saß. Auf die Frage aus dem Publikum, ob die Polizei denn nicht versucht hätte, zu verhindern, dass die Gewaltszenen gefilmt werden meinte Waldhauser trocken: Doch, wir sind eben sehr viel gerannt in den Tagen vor Ort.

In der Q&A-Runde berichteten die beiden Filmemacher auch über ihre jeweilige Motivation, den Film zu machen. Eslam (deutschstämmiger Türke, der allerdings nie in der Türkei lebte) ging es darum, die Protestbewegung aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu zeigen. Waldhauer ist hardcore Fußballfan (eines Kölner Vereins) und ihm ging es darum, die Geschichte aus Sicht der Ultras zu zeigen (als die Moderatorin der Fragerunde dann berichtete, dass er FC-Fan ist, erklärte sich mir auch der FC-Wimpel, der am Arbeitsplatz des Galatasaray-Capos hing 😉 ).

Last not least: Das Publikum passte zum Film. München United. Die Cosa Nostra saß friedlich hinter der Schickeria.

Wer sich für gute Dokus (nagutttäh – und vielleicht ein kleines bisschen für Fußballszene) interessiert, sollte da hingehen. Der läuft im Herbst hier an!

Falsches Urteil, UEFA!

Man stelle sich folgendes vor: In der Schulklasse – heutzutage in München nicht unter 35 Schülern zu haben – wird wenige Tage vor der lang geplanten und heiß ersehnten Klassenfahrt der Lehrer mit heruntergelassenen Hosen an die Tafel gemalt, untertitelt mit dem Wort „Schwul!“. Der/die Täter(in) lässt sich nicht ermitteln – es ist nicht einmal klar, ob es sich beim Täter um einen Schüler der entsprechenden Klasse handelt. Der Rektor beschließt darauf zunächst, sämtliche Klassenfahrten der Jahrgangsstufe zu verbieten, lässt sich dann jedoch davon überzeugen, „nur“ alle Schüler der entsprechenden Klasse zu bestrafen, indem er die Klassenkasse einzieht und die Klassenfahrt absagt.

Abstrus? Zu Hart? Nun – genau so hat heute die UEFA den FC Bayern bestraft. Einige Hohlköpfe hatten beim Hinspiel gegen Arsenal im Block 124 ein vielleicht 2,00 m x 1,50 m kleines handbemaltes Leinentuch hochgehalten, auf dem ein Londoner Spieler mit heruntergelassenen Hosen vor einer Kanone zu sehen war. Untertitelt war das Machwerk mit den Worten „Gay Gunners“ und „Tirol“. Um in einem Fußballstadion mit einem Fassungsvermögen von 70.000 Menschen aufzufallen, war dieses Handtuch – im Nachhinein muss man wohl sagen „leider“ – zu unscheinbar, so dass Ordner und Verein (die in Zeiten des Hoeneß-Urteils derzeit schon akribisch genau prüfen, welche Banner mit welchen Inhalten wo aufgehängt werden) nicht reagiert haben. Überhaupt kenne ich niemanden, dem das fragwürdige Transparent während des Spiels aufgefallen wäre.

Delikat ist die Tatsache, dass es sich bei Block 124 nicht etwa um einen Block der Südkurve handelt, deren eigenartigen schalbehangenen, hoodietragenden, fanatischen Gestalten man derlei ja latent stets zutraut, sondern vielmehr um einen sog. Sponsorenblock – den Block, in dem sonst während der Bundesligaspiele mehrere Angestellte eines Telekommunikations-konzerns ein weißes „T“ bilden. Einen Block, für den man i.d.R. Karten über diesen Sponsoren bekommt. Einen Block, in dem i.d.R. Geschäftspartner und Firmenfreunde sitzen, aber wohl nur sehr sehr selten echte Fans.

Die UEFA hat nun wie folgt geurteilt:

UEFA-Urteil zum „Gay Gunners“ Plakat
UEFA Champions League round of 16 second leg: FC Bayern München 1-1 Arsenal FC, 11 March 2014Discriminatory behaviour of Bayern supporters (Article 14 UEFA Disciplinary Regulations) and the displaying of an illicit banner (Article 16(2e) DR).The UEFA Control and Disciplinary Body has decided:

To order the partial closure of the Fußball Arena München. In particular, the closure of sector 124 for Bayern’s next UEFA competition home match, namely their UEFA Champions League quarter-final second leg against Manchester United FC on 9 April.

To fine the German club €10,000 for the displaying of an illicit banner.

Quelle

Im Gespräch soll angeblich sogar die gesamte Sperre des Unterrangs der Gegengerade gewesen sein.

Nun ist es durchaus richtig, dass es sich hier nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Das Transparent war (einmal abgesehen davon, dass es extrem schlecht gezeichnet und umgesetzt war. Ich kann den angeblich dargestellten Özil nicht wirklich erkennen) ebenso dumm wie homophob und gehört weder ins Stadion, noch zu einem Spiel der UEFA, die sich aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzt. Deswegen jedoch einen kompletten Stadionblock zu sperren ist abstrus und schießt – bleiben wir beim Bild der Gunners –mit Kanonen auf Spatzen.

Erst durch die Medien erhielt das Machwerk überhaupt die Öffentlichkeit, die es nie verdient hätte (Daily Mail, Mirror).

Angemessen wäre es gewesen, dem FC Bayern Gelegenheit zu geben, die Täter zu ermitteln und anzuklagen. Auch eine Geldstrafe als Spende an eine schwule oder lesbische Organisation wäre denkbar gewesen. Aber eine komplette Blocksperre? Die Bestrafung von 100% unschuldigen Zuschauern (die ja bereits ein Ticket für den Block erworben haben, zumal es unwahrscheinlich ist, dass die Täter im Viertelfinale wieder im Block anzutreffen sind) und die Bestrafung eines Vereins und einer Fanszene, die wohl weniger homophob ist, als die der meisten anderen Vereine – als Beleg möge die gute Zusammenarbeit des schwul-lesbischen Fanclubs Queerpass mit der gesamten sonstigen Fanszene dienen – ist schlicht eine wenig durchdachte und falsche Reaktion.

Queerpass hat auf den Vorfall meines Erachtens übrigens angemessener reagiert, als die UEFA!

Queerpass

Die Debatte ist auf Twitter derzeit noch in vollem Gange. Die Befürworter der harten Strafe argumentieren mit der abschreckenden Wirkung des Urteils und mit der ausgebliebenen Reaktion des Vereins/der Ordner während des Spiels. Das lässt sich nicht von der Hand weisen, ist aber etwa so, als würde ich mein Haus in die Luft sprengen, um endlich das Ungeziefer loszuwerden.

Die zentrale Frage ist wohl, ob der Verein, bzw. die Ordner als dessen Exekutive, das kleine, ekelhafte Plakat überhaupt bemerkt und dennoch nicht reagiert haben. Nachdem das UEFA-Urteil nun heute verkündet (und bislang vom Verein nicht angefochten) wurde, dürfte diese Frage wohl aber unbeantwortet bleiben.

Der Fall Hoeneß

Ich bin Anhänger des Vereins, den im Wesentlichen Uli Hoeneß von einer überschuldeten Gurkentruppe zum derzeit fußballerisch wie wirtschaftlich erfolgreichsten Verein der Welt gemacht hat. Eben der Uli Hoeneß, der nun auch zugegeben hat, Steuern in einer Höhe hinterzogen zu haben, die so abstrakt ist, dass man sie sich irgendwie in greifbare Größen umrechnen muss – etwa 600 Lehrerstellen können mit 27-28 Mio. EUR z.B. ein Jahr lang finanziert werden.

Dieser dialektische Zwiespalt ist es auch, der die mediale wie private Diskussion in den vergangenen Monaten wesentlich geprägt hat. Die Diskussion war stets untrennbar mit der Person Uli Hoeneß verbunden, dem – wie auch dem FC Bayern – kaum jemand neutral gegenübersteht. Man liebt ihn, oder man hasst ihn. Oder beides gleichzeitig. Man steht ihm aber einfach nicht neutral gegenüber. Für die Einen ist er das Gesicht des FCB, der stille Wohltäter, der generös spendet, ohne das an die große Glocke zu hängen, der volksnahe Präsident. Für die Anderen ist er der geifernde Besserwisser, Repräsentant des unsympathischsten Vereins der Liga, die Hassfigur schlechthin.

Generell und unabhängig vom Fall Hoeneß finde ich das Strafmaß für Wirtschaftsdelikte im Vergleich zu Gewaltverbrechen deutlich zu hoch. Ein Strafmaß von 3-5 Jahren wird häufig auch für Totschlag oder Vergewaltigung ausgesprochen und das steht meines Erachtens in keinerlei Relation zur Steuerhinterziehung, auch wenn durch diese das Gemeinwohl erheblich geschädigt wird. Ich persönlich würde für Wirtschaftsdelikte symbolische Haftstrafen (etwa 1/2 Jahr) in Verbindung mit sehr empfindlichen Geldstrafen verhängen. Aber nach mir geht es nicht, sondern nach der für alle – auch für Hoeneß – geltenden Rechtslage.

Vor diesem Hintergrund scheint das gesprochene Urteil absolut gerecht und angemessen. Trotzdem kann ich mir einen Uli Hoeneß nur schwer hinter Gittern vorstellen. Begründen mag das an meiner Stelle Heribert Prantl, der heute in der SZ den mit Abstand besten der vielen Artikel zum Fall Hoeneß veröffentlicht hat, die ich gelesen habe:

H. Prantl, Süddeutsche Zeitung 14.3.14

Was ist der Sinn der Haftstrafe? Die Erziehung des Uli Hoeneß zur Steuerehrlichkeit? Dafür hat diesem wohl schon das vergangene Jahr mit all seinen Anfeindungen gereicht. Die Abschreckung der Bürger vor ähnlichen Taten? Den Allermeisten bleibt da der Schnabel ohnehin sauber, da sie kein Geld zum Zocken haben. Was also ist der Sinn so einer Bestrafung? Diese Strafe demonstriert, dass die strafrechtlichen Verbote wirklich gelten – sie gelten für Hoeneß ebenso wie für Hans Mustermann. Das ist positive Generalprävention. Sie ist der einzig gute Sinn von Strafe.

Gewiss: Auch Geldstrafe ist Strafe. Das Gericht hätte – theoretisch – eine Haftstrafe auf Bewährung mit der Zahlung von viel, von sehr viel Geld kombinieren können, mit einer hohen Millionensumme also. Eine Demonstration der Unverbrüchlichkeit der Rechtsordnung wäre das nicht gewesen. Im Gegenteil. Es hätte geheißen: Da darf sich ein Millionär freikaufen. Es wäre, in Abwandlung eines alten Spruchs, gesagt worden: „Wenn das Geld im Kasten klingt, der Hoeneß aus der Zelle springt.“ Das wäre nicht eine Verteidigung der Rechtsordnung, sondern deren Infragestellung gewesen. Ohne Verteidigung funktioniert eine Fußballmannschaft nicht. Der Rechtsstaat auch nicht.

Ich kann es nicht nur nicht besser ausdrücken, sondern nicht einmal halb so gut. Danke Herr Prantl!

Hoeneß Schritt, nun die ja doch nicht geringe Strafe zu akzeptieren und sehenden Auges für mindestens 1 Jahr und 9 Monate in den Knast zu gehen, hat meine volle Hochachtung. Selbst wenn es so sein mag, dass eine Revision nur geringe Chancen auf Erfolg gehabt hätte, dass die Zeit bis zur Revision eine einzige Mediale Tortur gewesen wäre, dass weitere Details an die Oberfläche kommen können – es besteht auch immer eine berechtigte Chance auf ein besseres Urteil. So, wie ich Hoeneß einschätze, meint er das, was er veröffentlichte, genauso, wie es da steht. Er ist ein Quadratschädel und steht nun in vollem Umfang zu dem, was er da getan hat. Viele, mit denen ich darüber diskutiert habe, meinten, er sei nun wohl endlich „aufgewacht“. Mir tut er nun zuvorderst auch leid. Wenn er die 50-60 Mio. nachgezahlt hat, wird er pleite und vorbestraft sein. Ein trauriges Ende einer bis dato unvergleichlichen Karriere…

Tja, und wer wird nun Präsident des FC Bayern? Als AR-Vorsitzender ist ja nun der ADIDAS-Chef nachgerückt. Nicht unbedingt der Traum eines Fußballfans, aber wohl eine solide Kiste. Die diversen gehandelten Namen für das Amt des Präsidenten halte ich bis auf einen für Schwachsinn. Weder Stoiber noch Rummenigge oder Scholl werden das übernehmen können und wollen. Präsidenten des FCB waren bis dato immer langjährige Interne, die den Verein und seine Strukturen aus dem FF kennen. Ein Kahn käme vielleicht infrage, ist aber viel zu jung für das Amt und außerdem anderweitig tätig. Beckenbauer wird sich das nicht noch einmal antun. Er wäre auch keine gute Wahl nach seinen leider letzthin eher häufiger vorkommenden idiotischen Statements („ich habe in Quatar noch nie einen Sklaven gesehen“). Ich gehe davon aus, dass Karl Hopfner das Amt übernehmen wird. Dem geht es gesundheitlich wieder hervorragend und er ist extrem eng mit dem alten/neuen Vorstand verwoben. Er wäre interimistisch auch ein guter, solider Präsident, bis wieder jemand mit fußballerischer Erfahrung nachrückt. Wichtig ist es jetzt ja auch, wieder Ruhe in den Verein und seine Gremien zu bekommen. Da sind sicherlich ein AR-Vorsitzender Herbert Hainer (Vorstandsvorsitzender der adidas AG) und ein Karl Hopfner als langjähriger solider Kaufmann des FCB ein gutes Team.

Tja, bleibt nur zu hoffen, dass all das Bohei nicht noch Unruhe in die Mannschaft bringt, an der Hoeneß ja stets sehr nach dran war. Überhaupt war es Hoeneß, der in bester Gutsherrenart Trainer wie Guardiola oder Spieler wie Ribery an Bord geholt hat. Da entsteht nun schon eine Lücke. Der Rückzug von Hoeneß aus dem Vorstand verlief ja schon etwas holperig (Nehrlinger als Nachfolger hat sich ja nicht lange gehalten und war auch nicht sonderlich erfolgreich), ich hoffe, dass der Rückzug aus dem Präsidentenamt (der ja spätestens mit der gestellten Selbstanzeige abzusehen war) nicht wieder zu Verwerfungen führt.

10 Dinge, die ich im Stadion überhaupt nicht brauche

Ein Fußballstadion ist das letzte Refugium des Homo Dinosauricus, des einfach gestrickten, geerdeten Menschen, der mit sich im Reinen ist, wenn er eine Stadionwurst in der einen Hand und ein einigermaßen trinkbares Bier in der anderen Hand hält und seine Mannschaft sich da unten auf dem Rasen den Arsch aufreißt, auch wenn sie dann mal nicht gewinnt. Die 135 Minuten im Stadion (der Homo Dinosauricus ist übrigens 45 Minuten vor Anpfiff im Stadion, um sich mit der Mannschaftsaufstellung vertraut zu machen, seine Wurst und sein Bier zu kaufen, mit den anderen Homini Dinosaurici über das Team zu fachsimpeln und lautstark die Nachnamen bei der Mannschaftsaufstellung der eigenen Mannschaft, sowie irgendwas Unschönes bei der Mannschaftsaufstellung des gegnerischen Teams zu skandieren – nicht etwa, um an irgendwelchen Buffets Scampis zu fressen), also die 135 Minuten im Stadion sind für den H.D. so etwas wie ein Kurzurlaub, möglichst frei von Bevormundung durch Dritte.

Dies vorausgeschickt hier die 10 Dinge, die ich im Stadion überhaupt nicht brauche:

  1. Zuspätkommer, die mir genau während eines vielversprechenden Freistoßes die Sicht versperren und mein Bier ausschüten, während sie sich in Richtung ihres Platzes vorbeidrängeln
  2. Ältere Damen, die sich auch mal das Stadion ansehen wollten und mir auf die Schulter tippen, wenn ich stehe, um meinen Verein anzufeuern
  3. Leute, die nicht in der Lage sind, sich eine Stadionwurst zu kaufen, ohne in dem Moment, wenn sie an der Reihe sind, noch einmal ausführlich die aushängende Karte zu studieren – um dann bar zahlen zu wollen
  4. Eventottos, die erst 5 Minuten nach Anpfiff der zweiten Halbzeit auf ihre Logenplätze zurücktröpfeln
  5. Klatschpappen, Vuvuzelas und werbetragendeWinkelemente
  6. Leute, die mit mir über aktuelle politische Themen, bzw. generell über irgendetwas anderes als Fußball reden wollen
  7. Inkontinente und Garagenparker – kurz: Zufrühgeher, die mir genau während eines vielversprechenden Freistoßes die Sicht versperren und meinen Bierbecher umwerfen, während sie sich in Richtung der Toilette oder des Ausgangs an mir vorbeidrängeln
  8. Gelangweilte Freundinnen (Freunde), die ihren Freund (ihre Freundin) ins Stadion begleiten, um ein Pfund in der Hand zu haben, wenn sie demnächst Begleitung selbiger zum Kinostart von Sex and the City 3 einfordern und die ganze Zeit nur dämliche Fragen stellen oder ihre Nägel feilen
  9. Grantler, die auch dann noch etwas am Spiel auszusetzen haben, wenn die Mannschaft 17:0 vorne liegt und gerade alle Ligarekorde bricht
  10. Law and Order Deppen, die mir auch im Stadion noch irgendwelche bescheuerten Regeln an den Hals hängen oder meine Fußballkumpelclique auf unterschiedliche Blöcke verteilen wollen

 

Days Of Glory

Abflug um 09:15 mit dem Sonderflug des Club 12. Kein einziger Passagier NICHT im Trikot. Gegen die Jungs (und Mädels) muss man mich eindeutig als Eventotto einstufen (wenngleich ich natürlich auch komplett in kaiserliches Rot gewandet war). Und uns alle im Flieger muss man wiederum als lächerliche Würmer bezeichnen, wenn man sich die Jungs und Mädels ansieht, die 18 Stunden einfache Strecke mit dem Bus unterwegs waren

Dann erstmal mit der Twitterclique im Pub getroffen. Sonder #tpmuc. Vom #tpmuc (der losen Vereinigung twitternder Münchener Fußballfans) waren immerhin 20 in London. Hier der harte Kern (der Pub ist übrigens sehr empfehlenswert)

In ebendiesem Pub sind dann später auch zwei mit mir bekannte BVB-Fans eingelaufen. Trotz der unterschiedlichen Farben war das insgesamt sehr harmonisch. Überhaupt gab es keinerlei das übliche Gefrotzel übersteigendes Anmachen der Fans untereinander. Das war letztes Jahr beim Pokal aber noch ganz anders. Da merkte man schon viel gegenseitigen Respekt

Dann gegen 16h auf ins sehr beeindruckende Stadion. Sollte man für 1,5 Mrd. EUR Baukosten auch erwarten. Aber im Ernst: Man hat von überall aus toll gesehen. Ausreichend Toiletten. Einlass über Drehkreuze mit Barcode (vor mir haben sich mit 1 Ticket 2 Dünne durch ein Drehkreuz geschoben. So gehts natürlich auch  )

Fantastische Plätze, in der 1. Reihe Oberrang. Tolle Sicht auch (Der Dortmunder Block wurde vor dem Spiel extra von einem Todesstern aus aufgeheizt!)

Diese Pre-Game-Show war a bisserl grenzwertig, aber ganz unterhaltsam. Schwatzgelbe und Rotweiße, die Pfeile aufeinander abschießen. Kannte man ja schon von vor dem Spiel…

Dann endlich endlich das Spiel. Die Spannung war ja nicht mehr auszuhalten! Ihr habt es ja selbst gesehen: Es war ja nun wirklich alles dabei, was man an Dramatik brauchte: Ein Traumstart der Dortmunder und in den ersten 20 Minuten supernervöse Bayern, grandiose Torwartparaden auf beiden Seiten, dann die bayern, wie sie sich ins Spiel reingearbeitet haben. Robben mit Vergebenen 100%ern, die Traumgrätsche von Subotic und dann schließlich der im letzten jahr ausgepfiffene Buhmann Robben, der das erste Tor auflegt und das zweite genialst selbst macht. Und dann noch 3 Minuten vor Abfiff, das kennt man als Bayernfan allzugut, wie sich das von der anderen Seite aus anfühlt, der Siegtreffer.

Die letzten 5 Minuten habe ich betend auf den Knien verbracht, das hat sich aber gelohnt!

Nach der Pyro ist im Ultra-Block gar nix passiert. Keine reinstürmenden Ordner, kein Ordnungskräfteeingriff. Lediglich unten rund ums Feld wurden die Ordnungskräfte verstärkt, mit Ferngläsern und Blick auf die Ränge. Überhaupt: Die englischen Security- und Polizeikräfte sind ein leuchtendes Vorbild für jeden Bayerischen Jungbullen oder Katalanischen Policia-Macho. Immer freundlich, nett, höflich, aber bestimmt. ganz ganz toll organisiert. Großes Kompliment!

Tja – und dann war Party ohne Ende angesagt

Ich weiß nicht, was im TV so rüberkam, aber die gesamte Kurve und die Mannschaft waren noch eine geschlagene Stunde da und haben gemeinsam gefeiert und gesungen. Nach 3-4 Liedern (Stern des Südens und so) haben sie dann die Musik ausgemacht (gottseidank) und dann ging es los mit „Europapokalsieger FCB“, „Superbayern“ etc. – toll, wie die Mannschaft da mitgemacht hat. Singen und Tanzen auf jedem Fußballplatz.

Irgendwann fing das Team dann an, sich Souveniers aus dem Tornetz zu schneiden

Im Stadionabgang wurde dann auch noch gesungen.

Am Rückweg zu den Bussen dann vorbei an Sir Bobby vor dem Logo des besten Vereins der Welt

An den Bussen dann noch ein paar Bier mit den Coachies, die sich dann wieder auf den Weg machen mussten. Wir zurück zur Victoria Station, von wo aus um 02h der Zug nach Gatwick abging. Rundherum haben alle Pubs dichtgemacht. Es war gerade mal Mitternacht

Also rein ins Taxi – „ya know an open Pub close around“? „Hm – you got me with this one…“. Ins Westend wollten wir nicht, also meinte der Cabby „There’s a 24h venue at Waterloo“. Wir also dahin. Mann war das ein abgeranzter Schuppen. Ein ausgeräumtes Wohnzimmer mit Bier aus der Dose in Plastikbechern. Aber gegenüber – halleluja – ein offener Pub, wenn auch mit Karaoke. Dort sehr freundlicher Empfang. Schulterklopfen der anwesenden Engländer (da war nicht ein einziger Deutscher außer uns). langes Gespräch mit einem englischen Groundhopper, der schon mehr deutsche Stadien gesehen hat, als ich, und dessen Frau. Die kannte sich erstaunlich gut aus und meinte auf meine Rückfrage: „hier in England ist das anders, hier gehen wir Frauen mit ins Stadion“

Der Karaokechef hat uns dann noch übers Mikro gratuliert und kam zum quatschen rüber  Überhaupt – ich habe bislang ja nur die Londoner Polizei gelobt. Seid gelobt auch, all ihr Londoner! Eine Freundin hat ja auf Facebook geschrieben, sie kenne keinen Engländer, der nicht dem BVB die Daumen drücken würde. Ich habe gestern ganz viele spontane entgegengereckte High5-Hände abgeklatscht. Schön auch einer (als wir vor der Wohnzimmerbar standen), der gratulierte – ich meinte „Thanks Mate!“ Und er zu seiner Freundin: „Oh – he’s not even German!“

Naja, der Karaokemann, den ich auf die BVB-Sympathien der Engländer ansprach, meinte, es gäbe eben ganz viele (die Mehrheit), die immer für den Underdog sind. Andererseits aber auch eben viele „Sportsmen“, die der Meinung sind, dass Bayern jetzt einfach dran war nach den letzten Jahren.

However! Der Wahnsinn wars – auch danach im Pub (die Holde war währenddessen auf der Leopold unterwegs, wie ich heute morgen erfuhr).

Im übervollen Zug weiter zum Airport. Dort ganz viele SEHR müde Menschen

Der Flieger mit 1/2 h Verspätung, weil einige der Helden dann nicht mehr kamen. Einer kam etwas zu spät und entschuldigte sich mit Verweis auf die Handschellenstriemen an seinen Unterarmen.

Joa. Und seit heute morgen 09:30 bin ich wieder hier.

Und feiere

Und feiere

Und feiere

Gute Nacht!

Barcelona

Tja, was soll ich sagen? Barcelona ist die geilste Stadt der Welt, der FC Bayern ist der geilste Club der Welt. Wenn der FCB in Barcelona spielt, muss man da eben hin. 3 Tage tolles Wetter und nette Menschen.Die Einlasskontrolle war eine Zumutung. Der Vorfrau haben sie einen Lippenstift abgenommen (wurfgeschossgefahr trotz Fangnetzen im 3. Oberrang ). Superaggressive Ordner, Ironmen mit Riesenschäferhunden, die auch mal Leute mit ner Bratwurst angesprungen haben. Sehr angespannte Stimmung – aber nur bei den Ordnern und Polizei. Die Barcafans sind feine Menschen, wir haben dann gemeinsam gefeiert, als wir dann mal aus der Blocksperre raus waren. Die Stimmung im Block war phänomenal. Die „who the fuck is Barcelona“ Gesänge waren nicht unbedingt meins, etwas respektlos, finde ich. Ansonsten aber gesungen und getanzt (auf jedem Fußballplatz) und ich hoffe, man hat uns auch im TV gehört. Ohne Bayern war da gar nix los

Und das Spiel habt ihr ja selbst gesehen. Barcelona beherrscht. Halleluja! Ohne Zitterminuten wie beim BVB.

Mal sehen, wie lange das Adrenalin noch anhält